Mittwoch, 26. Juli 2017

Heute bin ich Samba

Am vergangenen Dienstag sah ich im Fernsehen den Film des Regieduos Eric Toledano, Olivier Nakache mit dem Hauptdarsteller Omar Sy, der mit dem letzten Film der französischen Regisseure „Ziemlich beste Freunde“ bekannt geworden ist.
Leider wurde der Film zu später Stunde gezeigt, aber die Handlung um einen illegalen Immigranten aus dem Senegal, der sich in Paris versucht durchzuschlagen und immer wieder in die Mühlen der Bürokratie und der Polizei gerät, war spannend und bewegend genug, um durchzuhalten. Eine freiwillige Sozialhelferin namens Alice (Charlotte Gainsbourg) versucht den Spagat zwischen Distanz und Sympathie und scheitert dait letztlich, da sie sich in den Afrikaner verliebt, der sich mit verschiedenen Rollen und Ausweisen am Leben zu halten versucht und auch mit seinen eigenen Gefühlen und Ängsten immer wieder in Konflikt gerät.
Die Geschichte beschreibt die Situation von illegalen Immigranten gefühl- und humorvoll, aber durchaus differenziert. Allerdings drängt sich dem Zuschauer die Frage auf, warum die Frage einer möglichen „Schein-“Ehe nicht einmal gestellt wird, die für Samba ja eine mögliche Lösung seiner Probleme gebracht hätte.
Ich war auf jeden Fall von dem Film sehr bewegt und gefangen, vielleicht auch, weil ich durch meine freiwillige Arbeit mit Flüchtlingen vieles über deren Probleme erfahren habe.
Das Erste
Copyright text: Ludger Gausepohl

Montag, 8. Mai 2017

Lion - Ein bewegender Film über die Suche nach der eigenen Herkunft

Nur durch Zufall schaute ich mir diesen Film an. Er wurde mir an dem Tag, an dem ich plante, ins Kino zu gehen, von meiner Schwester empfohlen. Vermutlich hätte ich ihn sonst nicht gesehen, da ich bis dahin nichts darüber gehört hatte.
Der Film beginnt in einem kleinen Dorf in Indien, wo ein kleiner Junge namens Saboo mit seinem älteren Bruder versucht, der alleinstehenden Mutter zu helfen, der Familie das Überleben zu sichern. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle gelangt der Junge mit der Bahn ganz allein in die Riesenstadt Kalkutta, wo eine fremde Sprache gesprochen wird. Er kommt schließlich in ein Waisenhaus, in dem es zugeht wie in einem Gefängnis und wo manche Kinder missbraucht und misshandelt werden. Schließlich aber hat er das Glück, dass er von einem australischen Ehepaar adoptiert wird und in wohlhabenden und gesicherten Verhältnissen aufwachsen kann. Aber was ein Happy End sein könnte, entwickelt sich zu einer lebenslangen Suche nach der eigenen Herkunft. Es kommt zu Konflikten mit den Adoptiveltern und der australischen Freundin. Der junge Mann gibt aber die Suche nach seinem Heimatort nicht auf und findet ihn schließlich.
Der Film hat mich sehr bewegt und zeigt in schönen und dramatischen Bildern die Lebensgeschichte Saboos (nach einem autobiografischen Roman). Die Thematik der Adoption von Kindern aus einem Kulturkreis der Dritten Welt wird mit allen damit verbundenen Problemen gezeigt. Neben Hauptdarsteller Dev Patel (Slumdog millionair), brillierte Nicole Kidman als Adoptivmutter. Kleine Minuspunkte sind die sehr idealistische Darstellung der Adoptiveltern und die Tatsache, dass der kindliche Darsteller des Saboo im Vergleich zum viel hellhäutigeren Dev Patel dunkelhäutig ist, was nicht so ganz stimmig ist. Dennoch empfand ich den Film als einen der besten, die ich seit langem gesehen habe. 

Lion - Der lange Weg nach Hause

Film 2016, nach dem gleichnamigen Roman von Saroo Brierley

Regisseur Garth Davies

Darsteller: 

Saroo als Kind: Sunny Pawar, als Erwachsener: Dev Patel

Die Adoptiveltern: Nicole Kidman und David Wenham

Plakat zum Film


Donnerstag, 29. Dezember 2016

Meinem Bruder Thomas zum Gedächtnis

Ich stehe in diesem stillen Raum

An deinem aufgebahrten Körper.

Es ist schon so viele Stunden her, 

Da verließ dein Geist uns für immer.

Du liegst ja da so friedlich, so bleich,

Ganz kalt sind deine Hände und Stirn, 

Die ich nur vorsichtig berührte.

Wo sind sie hin, all diese Jahre,

Wo du unser Sonnenschein gewesen,

Und uns mit deinen Streichen plagtest.

Hattest manch Überraschung parat.

Die letzten Jahre waren dir schwer,

Nachdem unsere Mutter verstarb,

Bist du selten fröhlich gewesen.

Dann verließ dich die Erinnerung,

Der Körper versagte seinen Dienst.

Ich stehe jetzt an deiner Bahre 

Und kann nun die Tränen loslassen,

So wie ich auch dich loslassen muss.

Du bleibst ganz fest in meinem Herzen!
Der traurige Anlass brachte mich dazu, nach langem wieder mal etwas hier zu veröffentlichen. Ich hoffe, auch gute Nachrichten bringen mich wieder dazu.

Montag, 18. Juli 2016

Von Drachen, Bomben und Reisen ins Ungewisse

Der Klappentext machte mich zunächst glauben, es gehe um eine Kindergeschichte und die spielt dann auch eine wichtige Rolle in diesem Buch. Aber die Erzählung spannt einen großen Bogen vom Afghanistan der letzten Tage der Monarchie über den Putsch des Bruders des Königs, den Einmarsch der Russen bis in die Zeit nach dem 9.11.2001. Sehr bewegend beschreibt das Buch die Erlebnisse eines Jungen aus der oberen Mittelklasse, sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und die Freundschaft zu dem Sohn eines Dieners der Familie, einem Hazara. Diese Volksgruppe wird dort so verabscheut, wie es hier früher (teilweise noch heute) mit den Roma war. Eine böse Begegnung läßt die Freundschaft zerbrechen und die Familie Amirs, des Erzählers der Geschichte, flieht vor den Russen nach Amerika. Jahrzehnte später kommt er wieder in seine Heimat, um eine Schuld gut zu machen, die er auf sich geladen hatte. Die Erzählung gibt ein Bild von einem vergangenen Afghanistan, das aber noch heute in den Menschen weiterlebt, es berichtet von Abenteuern und Freuden, aber auch großem Leid, welches die Protagonisten durchleben müssen. Ich habe das Buch nur ungern fortgelegt, nachdem ich es gelesen hatte. Drachenläufer, Khaled Hosseini, Berliner Taschenbuch Verlag 2007 Titel des Buches:

Freitag, 26. Februar 2016

Ein Lob den Gutmenschen

Gutmenschen kehren nicht nur vor der eignen Tür
und sie schauen auch über ihren Tellerrand.
Gutmenschen setzen sich für gute Dinge ein,
für Menschen in Not, für den Erhalt der Umwelt
und sie nehmen dafür auch Nachteile in Kauf.
Gutmenschen haben ihren Mitmenschen im Blick
und sie achten die anderen Lebewesen.
Gutmenschen schätzen unsere Demokratie,
sie vertreten ihre Meinung ohne Gewalt.
Die Gutmenschen übernehmen Verantwortung.
Hassmenschen hetzen und zerstören was sie stört.
Der Angst vor dem Neuen begegnen sie mit Wut.
Gutmenschen stehen für ein besseres Deutschland,
Was bitte ist auszusetzen an Gutmenschen?

Dienstag, 27. Oktober 2015

Eines meiner Lieblingsbücher: Nachtzug nach Lissabon

Es ist kein Krimi, kein Thriller, kein Abenteuerroman und doch hat mich dieses Buch sehr fasziniert. Merciers Buch über einen Latein-Lehrer, der durch die Begegnung mit einer lebensmüden jungen Frau auf das Buch eines Portugiesen stößt und durch dieses wiederum motiviert wird, sich in das Abenteuer zu stürzen, in Lissabon etwas über den Autor herauszufinden, enthält viel psychologisches Gespür, philosophische Erkenntnis und die Aufforderung, sich über sein eigenes Sein klar zu werden. Ich hatte das Buch vor Jahren bereits mit großem Interesse gelesen und nach dem ich auch den Film zu dieser Geschichte gesehen hatte, wollte ich sie noch einmal lesen. Sehr schnell war ich wieder völlig gefangen von dem Versuch des Berner Lehrers Gregorius, etwas über einen ihm völlig fremden Portugiesen herauszufinden. Er entdeckt dabei nicht nur vieles über dessen Leben als Arzt, als Mensch und als Widerstandskämpfer gegen das Salazar-Regime, sondern auch vieles über sich selbst. Besonders beeindruckend fand ich die Rede des jungen Amadeu Prado bei der Abiturfeier seiner Schule, die den Titel trägt: Ehrfurcht und Abscheu vor Gottes Wort. Sie beginnt mit den Worten: Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt. ...Ich brauche ihren Glanz. Ich brauche ihn gegen die schmutzigen Einheitsfarbe der Uniformen. Ich will den rauschenden Klang der Orgel hören, diese Überschwemmung von irdischen Tönen. Ich brauche ihn gegen die schrille Lächerlichkeit der Marschmusik. … Doch es gibt auch die andere Welt, in der ich nicht leben will: die Welt, in der man den Körper und das selbstständige Denken verteufelt und Dinge als Sünde brandmarkt, die zum besten gehören, was wir erleben können. Hier geht es um die Verteidigung des Schönen und Feierlichen gegen Intoleranz, Dogmatismus und Diktatur. Das Buch hinterließ mich nachdenklich und bereichert, weit mehr als ich mir davon erwartet hatte. Der Film verkürzt und verändert die Geschichte etwas, aber schafft es doch, seine Grundgedanken wiederzugeben.

Nachtzug nach Lissabon, Pascal Mercier, btb 2006

Montag, 7. September 2015

Flüchtlinge


Aus der Ferne kommt ihr her zu uns,
von Krieg und Not seid ihr geflohen,
wandertet durch heißen Wüstensand,
kamt übers tosende Meer gefahr'n,
durchlebtet eine Hölle von Angst.
Ihr hofft auf ein Leben in Frieden,
was erwartet euch in fremdem Land?
Viele sehen euch lieber gehen,
fürchten sich vor eurer großen Zahl.
Aber wo sollt ihr denn hingehen,
Besser am Stacheldraht verbluten?
Uns're Menschlichkeit ist hier gefragt,
wie ginge's uns in eurer Lage?
Daran sollten wir alle denken.
Geht es bei uns auch nicht allen gut,
kaum ein Land ist so reich wie wir.
Hass bringt neues Leid, keine Lösung!

Wohin?
Text und Bild, Copyright by Ludger Gausepohl