Montag, 19. Dezember 2011



Merry Xmas and a happy 2012!!!
copyright by Ludger Gausepohl

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Religion, gute Idee?

In einem katholischen Elternhaus wie meinem war der Kontakt zur Religion unausweichlich und prägend. Obwohl ich lange schon aus der Kirche ausgetreten bin und mich auch als nicht religiös betrachte, gibt es doch vieles, was mich an der Religion und Religiosität fasziniert. Mich faszinieren religiöse Hingabe, festliche Riten, aber auch tiefere Ebenen verschiedener Religionen. Es gibt meiner Meinung nach sowohl im Positiven, als auch im Negativen viele Übereinstimmungen in allen Religionen. Meine eigenen Erfahrungen und mein Interesse für religiöse Themen und die Betrachtung der menschlichen Geschichte brachte mich nach langem Hinterfragen und Suchen letztendlich zu der Einsicht :
Alle existierenden Religionen sind Menschenwerk!

Wozu brauchen die Menschen die Religion?

Je länger ich mich mit dem Thema befasse, desto klarer wird mir, dass es hierauf keine einfache Antwort geben kann. In ihren Anfängen glaubten die Menschen an Geister ihrer Ahnen und an Naturgeister. Diese gehörten zum Leben dazu und mussten mit Gaben wohl gesonnen gehalten werden und waren die Verbindung des Menschen zur allgewaltigen Natur. Sehr naturverbunden lebende Völker glauben heute noch so. Später wurden aus Naturgeistern Götter, die den Menschen noch immer ziemlich ähnelten (quasi als Oberhäupter der menschlichen Familie) und diese auf Grund ihrer Macht belohnen oder bestrafen konnten. Oft war die überlieferte Machtausübung der Götter aber auch recht willkürlich, Rache und Willkür schienen geradezu göttlich zu sein. Die Viel-Götter-Religionen sind heute in den westlichen Ländern verschwunden, es gibt sie noch in Asien (Hinduismus, Volks-Taoismus, tibetischer Buddhismus u.a.), Südamerika und Afrika, meist dort, wo es auch noch vorindustrielle Lebensweisen gibt. Allerdings hat der Katholizismus in Form der Heiligenverehrung etwas von diesem Götterglauben bewahrt. Der Ein-Gott-Glaube war zunächst auch nicht viel anders als der Viel-Götter-Glaube. So war (und ist bei manchen heutigen Richtungen noch) der jüdische Gott so etwas wie das Oberhaupt des jüdischen Volkes. Wenn er verärgert war, löschte er ganze Völker aus und nur das Volk Israel fand seine Gnade, die anderen waren offensichtlich alles verlorene Seelen. Aber auch die Christen schickten ihre Kreuzritter und auch spätere Soldaten im Namen Gottes in den Krieg und richteten so manches „heilige“ Gemetzel unter den „Ungläubigen“ an und dann wurden ganze Welten im Namen Gottes erobert und versklavt. Dem gleichen Denken fielen hunderttausende von „Ketzern“ oder „Hexen“ zum Opfer. Als letzte der großen Religionen breitete sich der Islam mit Feuer und Schwert aus und sieht alle Nichtgläubigen als der Hölle geweiht an.
Das Bild der Menschen von Gott oder den Göttern verändert sich offensichtlich entsprechend ihren gesellschaftlichen Verhältnissen. Und die Menschen projizieren ihre Wünsche, Ängste und auch ihre gesellschaftlichen Leitbilder in Gott oder die Götter hinein. Selbst der Buddhismus, der sich ursprünglich gar nicht als Religion verstand, sondern als Lebensphilosophie, in der Gott oder Götter keine große Rolle spielten, entwickelte den Glauben an den göttlichen Buddha und viele andere Götter. Offensichtlich kamen die Menschen ohne dies nicht aus und hätten die Meditations- und Verhaltensregeln ohne dieses Beiwerk nicht akzeptiert. Schließlich zeigte sich in den so genannten sozialistischen Staaten so etwas wie ein Götter- oder Heiligenkult mit Marx, Engels, Lenin usw. Der Sozialismus/ Kommunismus wurde als eine Paradies ähnliche Gesellschaft gesehen. Gerade an diesem Beispiel zeigt sich auch der Nutzen der Herrschenden an solchen Götterbildern. Religion und Macht sind zu allen Zeiten eine enge Verbindung eingegangen. Marx hatte schon recht, wenn er von der Religion als dem Opium für das Volk spricht. Ob er sich wohl vorstellen konnte, dass seine eigenen Lehren die Grundlage so eines Opiums für das Volk wurde? Allerdings greift man wohl zu kurz, wenn man das Bedürfnis nach Religion nur als Trick der Mächtigen sieht, um das unterdrückte Volk ruhig zu stellen. Offensichtlich handelt es sich um ein sehr tief sitzendes Bedürfnis, das auch im 21. Jahrhundert ungebrochen ist, was der Zulauf zu allen möglichen esoterischen Schulen zeigt. Es ist jedenfalls sehr lehrreich, die Religionen zu studieren, nicht nur ihre einzelnen religiösen Inhalte zu vergleichen, sondern auch ihre Entwicklung und ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Was sind die grundlegenden Gemeinsamkeiten aller Religionen?

Der gemeinsame Glaube verstärkt die Gemeinschaft der Menschen untereinander, dies wird besonders gefördert durch Rituale, die eine Verbindung schaffen sollen zum höheren Sein. Der Mensch sucht in seiner Einsamkeit nach einer Verbindung zu einer höheren Macht, die ihn immer umgibt und über sein kurzes Leben hinausgeht, ihm Aussicht auf eine weiterlebende Seele gibt, eine Kraft, die die Verletzungen des Lebens heilt. Die Aussicht auf ein besseres Leben in einem Paradies oder Himmelreich hat etwas sehr Motivierendes und Beruhigendes. Sehr mächtig sind aber auch die Ängste, die durch die verschiedenen Religionen geschürt werden. Fast überall gibt es die Drohung mit der Strafe der Götter, mit den Gefährdungen und Versuchungen durch das Böse, was einen in einen tiefen Abgrund oder eine Hölle stürzen will. Alle tief verborgenen Ängste der Menschen werden hier hinein projiziert und dieses ganze Gebräu ist natürlich bestens geeignet, um sie gefügig zu machen und den Herrschenden zu unterwerfen, die sich immer als Vertreter des Rechts und des Guten darstellen. Darum umgeben sie sich auch gerne mit den Vertretern des Klerus, der diese Propaganda-Aufgabe für sie übernimmt und damit seine eigene Machtstellung ausbaut. Diese Verbindung von Herrschaft und Religion ist ein Instrument der Unterdrückung und nichts anderes!

Es geht auch ohne Religion

Die existierenden Religionen bringen den Menschen im allgemeinen nicht dazu, wirklich erwachsen zu werden. Gott wird schon alles richten, wird belohnen und strafen und übernimmt die ganze Verantwortung. Religionen sind Krücken für unsere Unvollkommenheit und sie verengen unseren Blick für die Wirklichkeit, ja sie können wirken wie Drogen oder, wie man heute leider nur zu oft erlebt, wie tödliches Gift, sei es bei islamischen Fanatikern oder bei christlichen Eiferern. Da jede Religionsgemeinschaft den Anspruch erhebt, die einzig wahre und richtige zu sein, spalten sie die Menschheit und sorgen für zahlreiche Aggressionen untereinander. Um sich davon zu befreien, sollten die Menschen sich auf ihren freien Geist besinnen und erkennen, dass in der menschlichen Gemeinschaft und im menschlichen Geist selbst das Göttliche steckt und durch die Pflege von Tugenden wie Mitmenschlichkeit, Frieden, Liebe, Freude schenken, Achtung vor anderen Menschen und anderen Lebewesen sich ein innerer Heilungsprozess entwickelt. Das positive Handeln und Denken erzeugt positive Gefühle und Empfindungen und pflanzt sich weiter fort. Hier liegt die Quelle zu einem Glauben ohne Religion (wobei ein Glaube an Gott kein Hindernis sein muss, wenn er nicht alle verdammt, die anders glauben). Dazu gehört eine Moral, die aus der Vernunft kommt und nicht aufgesetzt ist oder mit Höllenstrafen durchgesetzt werden muss. Dies erfordert einen wirklich erwachsenen Menschen. Was mir und meinem Mitmenschen sowie der Natur schadet, ist schlecht, was Schaden abwendet und Nutzen bringt, ist gut. Nicht selten stehen aber verschiedene Interessen im Widerspruch und dadurch entstehen Konflikte. Und nicht immer gibt es eine salomonische Lösung dieser Konflikte. Soll man das Fleisch von Mitkreaturen essen? Soll man einem Leidenden bei der Selbsttötung helfen? Soll man Tiere zu Forschungszwecken nutzen um beispielsweise Heilmittel für uns Menschen zu finden?
Wir müssen wohl akzeptieren, dass es nicht immer eine Lösung gibt, die allen moralischen Kriterien gerecht wird. Natürliche Prozesse können eine Anleitung dazu geben, was der Mensch darf und was nicht. Unsere Natur zwingt uns zu bestimmten Verhaltensweisen, die wir auch akzeptieren müssen, aber wir können sie teilweise modifizieren, zivilisieren und entsprechend unserem wachsenden Wissen und technischen Möglichkeiten verändern. Ein hohes moralisches Ziel lässt sich nicht immer sofort verwirklichen, aber unser Streben sollte sich auf sein Erreichen richten. Das Annehmen unserer Unvollkommenheit und der Glaube, dass unser Geist scheinbar Unmögliches vermag, sind zwei Seiten einer Medaille.

Die Gemeinschaft ist Teil unseres Seins

Vieles an Regeln und Vorschriften, die die Religionen uns als Wegweiser für das Leben mitgeben, können wir uns auch in eigener Verantwortung geben, mit dem Ziel, das Leben für uns und unsere Mitmenschen angenehmer und leichter zu machen, statt ritualisiert, verklemmt und voller Tabus, die nur der Unterdrückung und Dumm-Haltung dienen. Warum sollte sich eine Gemeinde freigeistiger Menschen nicht zusammenfinden, um feierliche Zeremonien der Gemeinschaft, der Verehrung der Schönheit der Natur, der Aufnahme eines neuen Erdenbürgers in die Gemeinschaft, eines Jugendlichen in die Erwachsenenwelt, die Trauung zweier Mitglieder, der Ehrung von verdienstvollen Mitmenschen mit Musik, Lesungen, Gedichten u.a. zu feiern? Nichts ist so wertvoll wie eine funktionierende Gemeinschaft von Menschen, die ihre Mitglieder nicht unterdrückt, sondern als Gleiche behandelt, einander hilft und fördert. Dabei spielen Regeln sicher eine wichtige Rolle. Sie sollen einvernehmlich gefunden werden und sich den Veränderungen der Zeit und der äußeren Bedingungen anpassen, aber auch von großer Bedeutung sein.
Wir Menschen sind aufeinander angewiesen und fühlen uns im Großen und Ganzen nur glücklich in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen. Wir brauchen einander. Letztendlich gilt dieses für die ganze Menschheit. Diese Erde wird nur mit uns überleben, wenn die ganze Menschheit zusammenarbeitet und an einer Vereinigung mitwirkt, vielleicht irgendwann mit einer Art Weltregierung.

 copyright by Ludger Gausepohl

Kritisieren ja, bekämpfen der Gläubigen nein!

Diese Schrift versteht sich als eine Kritik an der Religion und ist eine Aufforderung zu einer selbst verantworteten Höherentwicklung des Menschen ohne religiöse Krücken, zu Aufklärung und Wissensvermehrung, sie soll aber keine Verdammung der Religiosität vieler Menschen sein oder ein Aufruf zur Bekämpfung der Religionen. Denn gerade wenn ich gegen religiöse Borniertheit und Intoleranz spreche, muss ich selbst Verteidiger der Toleranz sein. Auch ein sehr gläubiger Mensch kann durchaus geistig- seelisch sehr hoch entwickelt sein und von größerer innerer Reife als die meisten die nicht religiös sind und ihr Leben überhaupt nicht reflektieren. Heute aber befinden sich die Religionen in einem stetigen Niedergang und verlieren zunehmend an Einfluss und Kraft in der weiteren Entwicklung der Menschheit. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Religionen einen wichtigen Anteil an der Entwicklung der Menschheit hatten, Kultur prägend waren und so zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Sie haben einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Ethik geliefert. Aber so wie wir unsere eigene Geschichte aufarbeiten müssen, um uns weiter zu entwickeln, so gehört eine kritische Aufarbeitung der Religionen zur Entwicklung der Menschheit. Was bekämpft werden muss, ist die Haltung vieler Religionsführer, die ihre Religionsgemeinschaft als die einzig Wahre und Richtige darstellen und alle anderen als falsch und bekämpfenswert. Es ist aber auch wichtig zu unterscheiden, zwischen Geistlichen, denen die Betreuung ihrer Gemeinden und das Miteinander der Menschen, sowie die Hilfe zur Sinnfindung im Leben das Wichtigste ist und denen, die die Menschen nur unter Kontrolle halten wollen und die Erhaltung ihrer Hierarchie und Ihrer Machtstellung betreiben. Alle Regeln und Gesetze, alle Dogmen, die die persönliche Entwicklung und Freiheit des Einzelnen mehr als zur Wahrung der Rechte der Gesellschaft nötig einschränken und unterdrücken, ebenso wie die, die nur zur Spaltung und Trennung der Menschheit beitragen, gehören überprüft und abgeschafft.
© Ludger Gausepohl Dezember 2011

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Traum von einer besseren Welt II

Seit dem arabischen Frühling gibt es scheinbar ein Virus auf der Welt, das überall nach mehr Gerechtigkeit und Demokratie strebt. Nachdem die Tunesier und Ägypter zumindest einen Teilerfolg verzeichnen konnten, den sie nun wohl weiterhin verteidigen müssen, sah sich die chinesische Regierung genötigt, alles zu verbieten, was mit Jasmin-Revolution in Verbindung gebracht werden konnte. In Spanien erhoben ich die Indignados gegen die Chancenlosigkeit der Jugend und in New York war auf ein Mal die Wallstreet besetzt von der Occupy-Bewegung, die sich auch auf viele andere US-Städte ausdehnte und schließlich, wenn auch in kleinem Umfang in Europa sich aubreitete. Ins Berliner Abgeordnetenhaus ziehen nun die Piraten ein, mit der Forderung nach mehr Transparenz, Freiheit im Internet, Freigabe von Drogen. Allen diesen ist gemeinsam, dass sie eher uneinheitliche Bewegungen und Organisationen sind, ohne festes ideologisches Gerüst und zum Teil auch mit recht schwammigen Zielen.
Zunächst mal deuten diese Bewegungen darauf hin, dass das Establishment überall auf der Welt keine Verankerung mehr in der Bevölkerung hat. Die Ungerechtigkeiten sind zu offensichtlich und werden eher schlimmer als besser. Geht es uns in Deutschland auch immer noch relativ gut und funktioniert unsere Demokratie formal auch noch, so ist doch deutlich, dass die Mehrheit der Parlamentarier sich schwer tut mit den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung. Die Frage ist, ob Parteien mit festen Lösungsansätzen und Ideologien in der Lage sind, hier Verbesserungen zu schaffen. Sind sie nicht zu sehr darauf fixiert, ihren Machtstatus zu erhalten oder zu verbessern, statt an der Lösung von Problemen zu arbeiten? Das Beispiel Griechenland zeigte, wie die größte Oppositionspartei, die einen großen Teil des Überschuldungsproblems verursacht hatte, nicht in der Lage war ernsthafte Lösungsvorschläge einzubringen oder eine gemeinschaftliche Lösung herbei zu führen, da sie sich als starke Alternative zur regierenden PASOK präsentieren wollten, obwohl das Volk ihnen das wohl kaum abnahm.
Auch wenn ich nicht immer die Lösungsvorschläge von Organisationen wie Attac oder den Piraten für richtig halte, von der Occupybewegung wenig konkretes an Forderungen mitbekomme, denke ich doch, dass unsere Demokratie solche Bewegungen dringend nötig hat, um nicht völlig zu verkrusten und zu einer reinen Lobbykratie zu werden. Es braucht außerparlamentarische Bewegungen, die Parteien wie den Grünen, der Linkspartei und eventuell demnächst auch den Piraten Feuer unterm Hintern zu machen, damit sie sowohl in der Opposition, als auch in möglichen Regierungsbeteiligungen etwas vorwärts bringen an Bürgerbeteiligung und Abwehr der Lobbyisten mehr an Gerechtigkeit bei Steuern, Löhnen und Sozialleistungen, aber auch für Klima und Umwelt.

© Ludger Gausepohl Dezember 2011

Mittwoch, 30. November 2011

Ein Traum von einer besseren Welt


Es gibt so viele Ideen, die die Menschheit entwickelt hat, die eine bessere Welt schaffen sollen. Zum Teil sind das Ideen, die die Welt moralisch besser machen sollen, dazu gehören im Prinzip auch alle Religionen. Ein weiterer Bereich ist der Gedanke, die Welt sozial gerechter zu machen. In früheren Jahrhunderten entsprangen diese ebenfalls aus religiösen Quellen (z.B. Thomas Münzer und die Bauernrevolte, daoistische chinesische Bauernaufstände). Die moderne Zeit brachte den Marxismus und den Anarchismus hervor. Von vielen Zeitgenossen wurden auch die verschiedenen faschistischen Bewegungen als soziale verstanden. Ganz neu ist die ökologische Bewegung, die sich teilweise aus sozialistischen, christlichen und naturwissenschaftlichen Quellen speist. Je mehr die Bewegungen ideologisch gerechtfertigt wurden, desto radikaler und intoleranter wurden sie zumeist und neigten zu Sektierertum und autoritären Strukturen.

Vom „Kommunismus“ zur grünen Bewegung

Ich selbst habe mich Mitte der siebziger Jahre dem Maoismus verschrieben und sah im Kommunismus die Hoffnung der Menschheit. Der „Sozialismus“ in Osteuropa erschien mir desavouiert und nicht erstrebenswert, also eine Abweichung vom wahren Marxismus-Leninismus. In China schien mir alles besser zu sein, obwohl ich ja kaum etwas über das Land wusste. Ich glaubte den revolutionären Parolen. Als dort aber selbst mit der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ und den „Roten Garden“ abgerechnet wurde, kam ich langsam zu der Erkenntnis, dass hier wohl etwas gehörig falsch gelaufen sein muss. Mao war sicher nicht der große Heilsbringer, für den ich ihn gehalten hatte und die Dogmen des Marxismus-Leninismus waren nichts als Ideologien zur Verschleierung einer staatskapitalistischen Diktatur. Ich wendete mich von sozialistischen Ideen ab und da ich schon während meiner K-Gruppen-Zeit in der Anti-KW-Bewegung aktiv geworden war,kam ich zunehmend mit grünem Gedankengut in Berührung und begeisterte mich für die Ideen von Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, erneuerbaren Energien und Naturschutz. Anfang der 80iger Jahre lösten sich die meisten K-Gruppen auf, da es wohl der Mehrheit ihrer Mitglieder wie mir erging. Und nicht wenige kamen wie ich zu den Grünen oder waren sonst wie in der ökologischen Bewegung aktiv. Diese Bewegung war sehr heterogen und vielfältig und daher nicht so dogmatisch. Allerdings, aufgrund der Herkunft vieler Aktivisten aus dem linken Spektrum gab es immer wieder eine Tendenz zum Dogmatismus und daher auch den Streit zwischen „Fundis“ und „Realos“. Heute sind die Grünen eine weitgehend etablierte Partei. Sie vertritt das gebildete und aufgeklärte Bürgertum mit sozialen Ansprüchen. Wie in allen Parteien sind das Streben nach einer politischen Karriere ein nicht unwichtiger Beweggrund für das Handeln der Partei-Elite. Idealismus und Zielvorstellungen sind daher nicht mehr so ausgeprägt und Kompromisse werden leichter gemacht.Das ist an sich noch nicht schlecht, denn ich denke, dass rabiate Umsteuerungen in der Gesellschaft meist sehr negative Auswirkungen haben und auch gar nicht die Mehrheit der Bevölkerung erreichen. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn Vernunft und Idealismus in der grünen Bewegung zusammen gehen würden und den Tendenzen, sich völlig in das bestehende politischen System einzupassen, entgegen gewirkt würde. Neue Bewegungen, wie die Piraten kann ich noch nicht so recht ernst nehmen und die Linke, mit ihren Wurzeln in der alten stalinistischen Welt und doktrinären Linkssozialdemokratie sind für mich auch keine wirkliche Hoffnung für eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft.

Revolution oder Reform

Die Ideen von Karl Marx treffen als Beschreibung des Kapitalismus sicher noch heute ziemlich gut die bestehenden ökonomischen und sozialen Verhältnisse. Aber die Revolution als Gradmesser gesellschaftlicher Veränderung erscheint mir verfehlt. Wohl gab es nach verschiedenen Revolutionen gesellschaftliche Veränderungen, aber nicht unbedingt zum Besseren (siehe Französische Revolution, Russische Revolution). Oft waren sie aber aus der gesellschaftlichen Situation fast unvermeidlich und wäre das Volk dann nicht nur machtverliebten Führern gefolgt, hätte sich etwas gutes daraus entwickeln können. Aber wenn Bildung und Erfahrung fehlen, neigen die Menschen meist dazu, sich nach Anführern zu orientieren, die Stärke zeigen. Es wird interessant sein, zu verfolgen, wie sich die Revolutionen in den arabischen Ländern entwickeln und welchen Einfluss sie auf die entwickelten Länder haben (siehe Occupy Bewegung und Spanien).
Es wäre meiner Meinung nach besser, wenn die Gesellschaft sich evolutionär entwickeln könnte und Machtstrukturen, die nötige Veränderungen behindern, mit Klugheit und der Breite einer Bewegung aufgebrochen würden. Die Hoffnung, dass Parteien oder große Anführer es schon richten werden, sollten wir endgültig fahren lassen. Nur wenn jeder sich einbringt und seinen Willen kundtut, kann es echte Veränderungen geben. Ansonsten bleiben wir Opfer der Mächtigen. Engagement, und sei es nur in einem kleinen Bereich und Selbstinformation über gesellschaftliche Entwicklungen sind Voraussetzung dafür, dass wir nicht nur Wahlvolk bleiben.
Die Bewegung für eine gerechtere und bessere Welt müsste einen langen Atem haben, in Schritten vorgehen können, vielfältig und nicht dogmatisch sein. Es kann kein Endziel und keine utopische Gesellschaft geben, denn die Bedingungen werden sich immer wieder verändern. Nur der Respekt vor jedem Menschen, für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und für die möglichste breite Beteiligung aller Menschen am Wohlstand und Lebensmöglichkeiten sollten Grundlage dieser Bewegung sein.
© Ludger Gausepohl November 2011

Mittwoch, 23. November 2011


Mein Leben ist eine Sammlung von Geschichten und Träumen. Die Geschichten ereigneten sich wirklich, die Träume meistens nicht oder wenn, dann ganz anders als erwartet.
Ich will hier nicht mein Leben erzählen, aber einzelne Gedanken, Ideen,Träume und Kommentare festhalten.
Dies werde ich mal in der Form eines Sachtextes, mal als Prosa und gelegentlich als Gedicht versuchen. Lese es, wem es gefällt!