Montag, 29. Oktober 2012

Frederisiko – ein fürstliches Erlebnis


Nachdem wir bereits einmal vergebens den Weg nach Potsdam zum Neuen Palais gemacht hatten und wegen Überfüllung nicht in die Ausstellung über Friedrich den Großen gelangen konnten (wir hätten mindestens zwei Stunden warten müssen), hatten mein Mann und ich für den vergangenen Sonntag, der letzten Möglichkeit, die Ausstellung zu sehen, Karten übers Internet besorgt und kamen  pünktlich zur vorgegebenen Zeit am festgelegten Eingang des prächtige Schloss im Park von Sanssouci an. Da wir etwas früh in Potsdam gewesen waren, hatten wir uns noch zu einen Spaziergang entschlossen durch den in herbstlichen Farben leuchtenden Lustgarten der preußischen Könige und genossen die herrliche, frühherbstliche Sonne und den strahlendblauen Himmel. Dann traten wir in das königliche Schloss ein und verzichteten auf den Audioguide, sondern nahmen nur das Booklet mit kurzen Erläuterungen mit. Wir waren schnell im Bann einer gut gemachten Ausstellung, aber auch dieses prachtvollen Schlosses. Die nicht endend wollenden Gänge und hintereinander liegenden Räume boten mit den kurz und knapp dargebrachten schriftlichen Erläuterungen ein anschauliches Bild sowohl der Lebensumstände, als auch der Persönlichkeit und der Bestrebungen des Preußenkönigs. Immer wieder ging unser Blick sowohl hoch zu den prächtigen Decken mit ihrem vergoldeten Stuckwerk oder Deckengemälden, als auch zum kostbaren Fußboden aus wertvollen Hölzern oder edlem Gestein. Letzteres war wegen der großen Zahl von Besuchern und der Abdeckungen zum Schutz vor Abnutzung und Beschädigung nur eingeschränkt zu bewundern. Aber die gute Organisation sorgte dafür, dass die große Besucherzahl die Besichtigungsmöglichkeiten nur geringfügig einschränkte. Prächtige Ornamente, teure Materialien und zahlreiche Bilder findet man ja auch in anderen Schlössern, aber die Gestaltung des neuen Palais weist immer wieder Überraschungen und Besonderheiten auf. Dass es beabsichtigt war, mit dem Bau und der Ausgestaltung dieses andere Fürsten zu übertreffen und Preußen als führende Macht Europas darzustellen, wird überall deutlich und die Ausstellung macht es sehr schön deutlich. Besonders gut gefallen hat mir der Grottensaal, der mit unzähligen Muscheln, polierten Halbedelsteinen und ungewöhnlichem Stuckwerk verkleidet ist. Nicht minder beeindruckend ist die große Marmorgalerie in der ersten Etage mit ihrem kostbaren Fußboden (wegen dessen Beschädigung aufgrund von Baufehlern man diese Räumlichkeit nicht betreten darf), den pompösen Deckengemälden und den unzähligen Spiegeln an den Wänden.
All diese Pracht, die der König laut Ausstellungstext nur drei Monate im Jahr nutzte, konnte natürlich nur zu Lasten des einfachen Volkes entstehen, aber immerhin sorgt sie heute dafür, dass Massen von Touristen aus aller Welt nach Potsdam strömen und hier auch ihr Geld lassen. Wir waren auf jeden Fall froh, Schönheit und Pracht für kurze Zeit genießen zu können und nahmen unvergessliche Eindrücke mit nach Hause.
© Ludger Gausepohl Oktober 2012

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