Montag, 19. November 2012

Unsere" schöne" Plastikwelt

Plastic Planet – eine bedenkliche Dokumentation von Werner Boote
Heute hatte ich die Gelegenheit, bei ZDF Info die 2009 veröffentlichte Filmdokumentation „Plastic Planet“ von Werner Boote zu sehen. Mir waren die Gefahren, die aus der massenhaften Herstellung und Verwendung von Kunststoffen resultieren, wohl bekannt, aber der Film hat sie mir noch mal mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt und durch seine Ironie und beispielhafte Darstellung noch klarer gemacht. Der Autor und Regisseur geht von der Geschichte aus, dass sein Vater früher ein begeisterter Anhänger des Kunststoffes war und das erinnert mich an meine eigene frühere Begeisterung für die scheinbar unendlichen Möglichkeiten der Kunststoffchemie. Ich habe allerdings als Chemiestudent dann auch sehr bald erfahren, welche Gefahren schon die Produktion von Plastik mit sich bringt, beispielsweise bei der Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC), welche sehr giftige Zwischenprodukte nötig macht und bei der Verbrennung beispielsweise die ebenso giftigen Dioxine hervorbringt.  Viel gefährlicher ist nach diesem Filmbeitrag einerseits die Allgegenwärtigkeit von Kunststoffen aller Art in unserer Umwelt, beispielsweise im Meer, wo kleinste Plastikpartikel von Meereslebewesen aufgenommen werden und dann zu deren Verenden führen. Zahlreiche Zusatzstoffe, wie der Weichmacher Bisphenol A führen zur Schädigung des Hormonsystems von Mensch und Tier, wie in dem Film sehr eindringlich von mehreren Wissenschaftlern dargelegt wird, und damit zu Unfruchtbarkeit und Missbildungen. Interessant sind auch die in der Dokumentation dargestellten Reaktionen der Industrievertreter, die sich entweder jeder konkreten Befragung entziehen oder aber beschönigende Darstellungen zum Besten geben.
Der Film ist in der ZDF Info Mediathek abrufbar und sollte jeden umweltbewussten Bürger zu einer anderen Einstellung zum Verbrauch von Plastikartikeln anregen. Ich selbst bemühe mich darum, Verpackungsmüll möglichst zu vermeiden, wobei ich sehr oft auf zahlreiche Hindernisse stoße. Aber Plastiktüten für Obst und Gemüse so oft wie möglich wieder zu verwenden, statt jedes Mal im Supermarkt eine neue zu nehmen, ist eigentlich keine große Sache und Recyceln sollte ja ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein. Da Plastik so billig ist, sind wir geneigt, alles was aus diesem Werkstoff besteht, schnell wegzuwerfen, wenn es nicht mehr ganz neu und schön ist. Dabei sind diese Produkte ja zumeist besonders lange haltbar. Und ausgerechnet für Kinder, deren Gesundheit durch das schadstoffhaltige Material besonders bedroht ist, haben besonders viele dieser Produkte in ihrer Wohnumgebung. Ein Umdenken in Bezug auf die meisten Kunststoffe und unser Konsumverhalten insgesamt ist unbedingt angesagt.
© Ludger Gausepohl November 2012

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