Donnerstag, 19. Dezember 2013

Mandela

Gigant der Freiheit und Versöhnung,
Parteipolitikern Verhöhnung,
Nach langem Streit, teils auch mit Gewalt,
gabest der Hoffnung neue Gestalt.
Wegbereiter besserer Zeiten,
Wird 's die Enkel weiterhin leiten?
Südafrikas Volk, nennt Vater dich,
muss sich nun mehr verlassen auf sich!

Statue von Mandela im alten Hafen von Kapstadt

Bild und Text copyright Ludger Gausepohl

Freitag, 6. Dezember 2013

Herbst in Berlin

Der Gehweg liegt voller Blätter,
hier und da ein Fetzen Papier.
Über die löchrigen Straßen
hasten unbekannte Menschen
auf dem Weg zu ihrer Arbeit,
vereinzelte kommen noch
von nächtlichen Vergnügungen.
Etwas Regen, ein rauer Wind,
von fern die S-Bahn rumpelt, quietscht.
Ist's vertraut oder unheimlich?

Zweig, Zeichnung, Buntstift, 1984,
Copyright Bild und Text Ludger Gausepohl

Mittwoch, 27. November 2013

Fantasie

Komm, wir schaffen eine Welt,
und bauen uns Raum und Zeit,
wie immer es uns gefällt,
doch trifft Traum auf Wirklichkeit,
manch Luftschloss zusammen fällt.
Nur es bliebe ungemacht
manch Entdeckung in der Welt,
viel Geschichten ungedacht,
manch Erfindung gäb es nie,
ohne deine Fantasie.

Fantasie, kleines Aquarell, 1989 (Postkartengröße)
Copyright Bild und Text Ludger Gausepohl 2013

Montag, 18. November 2013

Männerlust


Sturm und Drang sind lange schon vorbei,
doch für mich nicht der Reiz der Männer,
für mich, den älter werdenden Mann.
Schmale Hüften, verlockender Gang,
kecke Gesichter unter schwarzem
oder blondem Haar, modisch frisiert.
Das Begehren sie zu berühren,
zu spüren und mehr, immer noch da.
Hätte es wohl vielleicht nicht nötig,
aber der Trieb fragt ja nicht danach.
Doch dieser Reiz ist Salz im Leben,
durch ihn fühl ich mich wieder jung,
manchmal aber macht er mir auch klar,
dass ich nur so alt bin wie ich bin.

Selbstportrait 1981, Aquarell ca.24x15cm
Copyright Text und Bild Ludger Gausepohl

Sonntag, 10. November 2013

Mein 9. November 1989

An diesem für mich ganz normalen Tag im November saß ich vor dem Fernseher und sah die Nachrichten an. Eine nebenbei gemachte Mitteilung von Politbüro-Mitglied Schabowski schien mir nicht mehr als ein erneuter Versuch der DDR-Oberen zu sein, das Volk zu beruhigen. Gut eine Stunde später sah ich wieder fern und plötzlich schien das Chaos am Fernseher ausgebrochen. Auf dem Bildschirm waren Ströme von Menschen zu sehen, die gerade die Mauer passiert hatten und sie riefen immer nur: “ Wahnsinn, Wahnsinn!“ Ich starrte wie gebannt auf den Fernseher und wollte nicht glauben was ich sah. Irgendwie beneidete ich die feiernden Leute auf den Straßen, aber konnte mich doch nicht aufraffen, mich unter die Menschenmassen, beispielsweise am Kurfürstendamm, zu mischen. Irgendetwas in mir wollte das Ganze noch nicht glauben. Erst am Wochenende begab ich mich mit Freunden an die Mauer am Brandenburger Tor. Natürlich mussten wir herauf klettern und später beteiligten wir uns auch am Mauerpicken, welches nun die Lieblingsbeschäftigung vieler Berliner war. Selbst überquerte ich die Mauer erst einen Tag vor Weihnachten. Ich wollte an einem provisorischen Übergang am Brandenburger Tor nach Ostberlin gehen. Es war dort einiges los. Immerhin hatten diesen Weg einige Tage vorher Helmut Kohl und Ministerpräsident Modrow in der umgekehrten Richtung genommen. Es war schon ein erhebendes Gefühl, als ich nach der kurzen Ausweiskontrolle durch Schinkels Tor schreiten konnte, welches vor so kurzer Zeit noch für ewig verschlossen galt. Schließlich hatte ich auch die Gelegenheit zu feiern. Ich ging nämlich zu Silvester mit Freunden an die Mauer und wir kamen kaum vorwärts in dem Gedränge. Später sahen wir in der Nähe des Brandenburger Tors Unmengen von Krankenwagen. Wir erfuhren, dass mehrere Menschen von einem Gerüst gestürzt waren. Leider führt Hochstimmung auch allzu schnell zu Unachtsamkeit und Leichtsinn. Die Wochen danach war die Stadt vom Zustrom der Menschen, die aus Ostberlin oder dem Umland nach Westberlin strebten, geprägt. Supermärkte und Banken waren an vielen Stellen übervoll. Da kam auch schon wieder das eine oder andere unschöne Wort auf, vielleicht auch nur der rauen Berliner Schnauze geschuldet. Aber sehe ich die Szenen vom Mauerfall heute im Fernsehen, so kommen mir jedes Mal die Tränen in die Augen. Es gibt wohl kein historisches Ereignis in meinem Leben, das mich mehr bewegt hat. Dies trotz aller Nebenerscheinungen, die weniger erfreulich für viele Menschen waren, sei es die Abwicklung vieler Betriebe, die wohl eher den Interessen westdeutscher Konkurrenten diente, als den Menschen vor Ort oder die leichte Vereinnahmung breiter Bevölkerungsteile durch die CDU, obwohl diese im Osten zu den Blockflöten gehörte, während die Parteien der friedlichen Revolution, wie das Neue Forum oder Bündnis 90 kaum noch eine Rolle spielten. Und schließlich auch die Verschlechterung von Arbeits- und Einkommensbedingungen im Westen, da jetzt wohl der Zwang weggefallen war, sich gegenüber einem anderen System zu profilieren. Jetzt war die kapitalistische Gier völlig frei. Aber Revolutionen sind ja bisher noch nie so ausgegangen, wie es die aktivsten Teile der Bewegung erhofften.

Montag, 14. Oktober 2013

Von Lust und Last des Schreibens


Gedanken fluten durch mein Gehirn.
Ach, könnte ich sie doch nur fassen,
dass auf ein Stück Papier sie passen!
Mal rasen sie hinter meiner Stirn,
mal sind sie gar sehr verstockt und müd',
wenn unbehaglich ist mein Gemüt.
Fließen mir dann die Ideen daher,
dann sind sie nicht mehr aufzuhalten,
bis ich fertig bin zu gestalten.
Fühl mich danach so leer, so leer...
Gefällt es wem? Ist mir das egal?
Erwarte ich der Kritiken Qual?

Zeichnung auf Postkarte, 1985
Copyright Bild und Text: Ludger Gausepohl

Montag, 7. Oktober 2013

Märchenprinz


Unerwartet,
aber lang ersehnt
tratest du
aus dem Dunkel meiner Träume
schön und zärtlich
ins Licht meiner Wirklichkeit
und machtest mein Herz rasen.
Aquarell 2011, Copyright Bild und Text Ludger Gausepohl

Montag, 23. September 2013

Schwierige Demokratie

Wieder mal gingen die Wahlen zum Parlament nicht so aus, wie ich es mir wünschte. Es kandidierten aber auch keine Wunschparteien und es wählte kein Wunschwahlvolk. Die Wähler wählten auf Nummer sicher, es geht uns nicht schlecht und nur jetzt keine Experimente. Denn auch die anderen Parteien haben schon enttäuscht und immer nur sind es Kompromisse. Die, die gar nicht wählen, glauben, dass doch nichts zu verändern ist und so bleibt es natürlich so. Medien, geben sie sich auch noch so neutral, setzen die Themen und mit ihren Umfragen geben sie Trends und Richtungen vor, ermutigen und bremsen. Lobbygruppen aus der Wirtschaft schaffen den einflussreichen Hintergrund und Wähler wollen sich gerne vertreten lassen und nicht sich selbst ums politische Geschäft kümmern, das geht mir auch so. Der Alltag ist schon mühsam genug und wie soll man da noch zurecht kommen mit Finanzen, Europa und Syrien? So ziehen so viele Kräfte in verschiedene Richtungen und niemals kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Doch glaube ich, dass es ohne die Wahl nur schlechter wäre und bei aller Unvollkommenheit: Nach vier Jahren gibt es eine neue Wahl, vielleicht mit neuen Köpfen! Mehr Engagement von jedem wäre aber auch nicht schlecht!

Montag, 16. September 2013

Der Himmel

Das Leben ist oft begrenzt und eng,
durch Arbeit, Gewohnheit, äuß'ren Zwang.
da lohnt es sich, den Blick zu heben,
hoch zum Himmel empor zu schauen,
den ziehenden Wolken zu folgen,
auf ihrem langsamen Weg ins Nichts,
dem Flug der Vögel in weite Höh'n,
den Glanz des funkelnden Sternenzelts,
einzulassen in unsere Welt,
dann wird’s uns so weit ums Herz, so weit...

Abendhimmel, Tuschezeichnung 1977
Copyright Bild und Text: Ludger Gausepohl

Mittwoch, 11. September 2013

Montag, 12. August 2013

Oh Russland,

Du preisest den Fortschritt ganz groß,
und schießt Raketen in das All,
in Moskau wachsen Hochhäuser.
Doch sehnst du dich nach Stalins Zeit
und fürchtest die Freiheit so sehr.
Dank Putin schmückest du dich ja
mit Zeichen der Rückständigkeit.
Männlichkeitswahn und Schwulenhass
soll'n Zierde der Gesellschaft sein,
misst dich mit Saudis und Iran,
klammerst dich an Rückständigkeit,
als einen allerletzten Halt,
Weihrauch und Panzerparaden,
die Symbole von alter Macht.
Sicher müsst' man dich bereisen,
doch so will ich dich nimmer seh'n!

Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Kraft der Sonne

Sie scheint schon seit Äonen
auf unseren schönen Planet,
sie wärmt unseren Boden,
sie läßt das Wasser steigen
und treibt mit ihrer Kraft den Wind.
Sie glüht mit mächtigem Feuer,
das keine Maschine der Welt,
je könnte erzeugen für uns.
Nur eine Macht ist beinah ihr gleich:
Unser Verstand und Fantasie.
Mit weise bedachter Technik
könnten wir der Sonne Kräfte
fangen und uns nutzbar machen,
statt gefahrvolle, schmutzige
Höllenmaschinen zu bauen
für riesige Summen Geldes.

Copyright Ludger Gausepohl 2013

Die Macht der Sonne, Zeichnung Wachsmalkreide. Copyright Zeichnung und Text: Ludger Gausepohl 2013

Samstag, 11. Mai 2013

Untergang der Amoco Cadiz

Ein altes Bild von mir, immer noch aktuell.
Der Untergang der Amoco Cadiz, wie gehen wir mit unserer Erde um? Wasserfarben auf Papier. Copyright by Ludger Gausepohl

Donnerstag, 28. März 2013

Wann wird's denn endlich wieder Frühling???


Frühling, kleines Aquarell, 1981, © Ludger Gausepohl

Goldregen,kleines Aquarell, 1983, © Ludger Gausepohl

Freitag, 25. Januar 2013

Spiritualität bei Freidenkern oder Atheisten – ein Widerspruch in sich?

In seinem Buch „Woran glaubt ein Atheist – Spiritualität ohne Gott“ beschreibt der französische Philosoph Comte-Sponville seine Spiritualität, als die eines Atheisten. Viele Nichtreligiöse betrachten Spiritualität als etwas mit der Religion verbundenes und lehnen sie daher ab. Auf der anderen Seite findet man bei Menschen immer wieder und überall auf der Welt ein tiefes Bedürfnis nach Spiritualität. Ohne dieses Bedürfnis wären möglicherweise die Religionen längst ausgestorben, es muss tief in uns verankert sein. Was ist aber nun Spiritualität? Spiritus heißt auf Latein Geist. Nach dem französischen Philosophen Descartes („Ich denke, also bin ich“) ist der Geist „ein Ding, das zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, begehrt, verabscheut, auch vorstellt und wahrnimmt.“ (Descartes: Untersuchungen über die Grundlagen der Philosophie)
Es gibt Philosophen (und damit stimmen sie mit den meisten Religionen überein), die den Geist als etwas vom Körper unabhängiges sehen, das auch nach unserem Tode weiter existiert. Andere (und ich teile diese Ansicht) sehen den Geist als eine Wirkung der Bewegung des Gehirns und der Nerven oder als ihre Funktion. Man kann ihn jedoch nicht mit den einzelnen Funktionen des Gehirns gleichsetzen, sondern er ist etwas, das aus der Summe seiner Einzelfunktionen dialektisch hinauswächst. Comte-Sponville bezeichnet Spiritualität als Leben des Geistes. Aus meiner eigenen Erfahrung sehe ich Spiritualität überall da entstehen, wenn mein Geist sich erhebt und aus dem ständigen Strom der Gedanken, Grübeleien und Alltagsbeschäftigungen herausgehoben wird und sich ein Gefühl des Verbundenseins mit dem Unendlichen, dem Kosmos einstellt. Auch das Nachdenken über unsere menschliche Existenz, über Leben und Tod enthält immer ein Element von Spiritualität. Religiöse Menschen finden Spiritualität wahrscheinlich in einem Gottesdienst oder einem Gebet, andere erleben es in einer besonderen Begegnung mit der Natur oder in der Betrachtung besonderer Werke der Kunst oder Architektur, in einer Meditation, in der Sexualität oder einer besonders achtsam und intensiv ausgeübten Tätigkeit, wie einer handwerklichen Tätigkeit, einem Langstreckenlauf oder ähnlichem. Sie kann gemeinsam erlebt werden oder allein, wobei die Wahrnehmung der Spiritualität immer im Geist des Einzelnen stattfindet. Dabei ist das Erleben im Moment das Entscheidende. Es macht allerdings wenig Sinn, diesen Moment zu suchen, auf ihn hinzuarbeiten, sich um ihn zu bemühen, denn dann wird er nie erreicht. Es kommt darauf an, all seine Sinne zu öffnen und in allem was man tut, eine Achtsamkeit zu entwickeln, um solche Momente wahrzunehmen, aber auch sich selbst wahrzunehmen und bereit zu sein, festgefahrene Glaubenssätzen und vorgefertigte Meinungen loszulassen. Hier haben sich vor allem Mystiker aller Glaubensrichtungen hervorgetan. Die meisten von ihnen wurden von ihren Religionsführern verdächtigt oder sogar verfolgt. So wurde Meister Eckardt von der Inquisition der katholischen Kirche ebenso angeklagt, wie die islamischen Sufis von orthodoxen Imamen oder Mullas verdächtigt und verfolgt wurden und werden.
Philosophischer Daoismus und ursprünglicher Buddhismus
Der altchinesische Daoismus eines Laozhi oder der ursprüngliche Buddhismus sind keine Religionen mit einem Glauben an ein höheres Wesen, sondern Denkrichtungen, die Betrachtungen darüber anstellen, wie der Einzelne durch richtiges Verhalten (das er für sich selbst finden muss) und durch Loslassen von Besitzdenken und Gier zu einem „erlösten“ oder weisen Dasein gelangt. Nicht alles in diesen Lehren können wir auf ein modernes Denken übertragen. Aber man kann darin durchaus Inspirationen für eigenes Suchen nach Spiritualität finden, insbesondere in den Methoden der Meditation und der Achtsamkeit. Erich Fromm, Haben und Sein
Der Psychoanalythiker und Sozialphilosoph Erich Fromm sucht in seiner Schrift „Haben oder Sein“ einen Zugang zu einer modernen Spiritualität, in der er das Haben-Wollen, das Festhalten an Besitz und Macht, gegenüberstellt dem Sein, dem sich Öffnen und Loslassen. Er findet Vorbilder bei Meister Eckard, im (Zen-)Buddhismus und auch im Christentum. Er glaubte allerdings, dass letzteres, schon bald nachdem es in Europa zur vorherrschenden Religion geworden war, die christliche Nächstenliebe gegen eine Kultur des Habens und der Machtausübung von Kirche und christlichen Herrschern eingetauscht hat, sodass die spirituellen Elemente nur noch zur Festigung der Bindung der Gläubigen an die Kirche dienen.
Jiddu Krishnamurti
Das Spiritualität nichts ist, das sich durch Dogmen und Theorien erreichen lässt, sondern etwas, wozu jeder seinen eigenen Weg finden muss, dies forderte der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti, der in seiner Jugendzeit von einer esoterischen Gruppe zum neuen Messias ausgerufen worden war, aber mit zwanzig Jahren erklärte, dass er das nicht sein wolle. Die einzige Möglichkeit, den eigenen Weg zur Spiritualität zu finden, sieht er darin, sich selbst und seine Umwelt ohne Vorurteile, ohne Wertungen und mit aller Achtsamkeit zu betrachten. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob die Mehrheit der Menschen, die sich zumeist nach Leit- und Vorbildern orientiert und nach Hilfestellungen für ihre Lebenspraxis sucht, dieser Aufforderung zu so einer großen selbstverantwortlichen Leistung fähig ist.
An sich selbst glauben und sich weiter entwickeln
Wir wissen heute, dass Krankheiten nicht unwesentlich durch seelische Probleme verursacht werden und dass Menschen durch psychische Kräfte wieder geheilt werden. Der menschliche Geist vermag vieles durch seine Kraft. In unserem Kopf befindet sich ein unendlicher Kosmos an Eindrücken und Erfahrungen, an negativen wie positiven Selbsteinredungen oder von außen eingegebenen Suggestionen. Sie blockieren uns nicht selten in unserer Entwicklung. Indem wir uns selbst neue, positive Affirmationen geben, können wir dem entgegenwirken und uns stärken. Der Glaube an einen Gott hat früher dieses selbst entwickelte innere Selbst ersetzt, vielleicht auch manchmal die Kraft entwickelt, Berge zu versetzen und in äußerer und innerer Not den Lebensmut nicht zu verlieren. Aber wenn ich bereit bin, mich zu einem voll erwachsenen Menschen zu entwickeln, finde ich diese göttliche Kraft in meinem eigenen inneren Selbst, das aus den Tiefen meines Unterbewusstseins schöpft. Dieses nimmt alle auf uns einwirkenden Informationen und Eindrücke ungefiltert auf und selbst ererbte Erfahrungen und Instinkte finden sich darin. Wenn wir darauf gestaltend Einfluss nehmen, wird dies zu einer starken Kraft. Voraussetzung dazu sind Wissen, Auseinandersetzung mit der Welt und ihren Täuschungen, aber auch Selbstbesinnung und Unvoreingenommenheit, Selbsterziehung, Beachtung der Grundregeln der Menschheit: Achtung der Würde und der Rechte des anderen, Respekt vor allem Leben, Ehrlichkeit mit sich selbst und mit anderen. Es helfen uns dabei Meditation, Übungen unseres Körpers (Yoga, Qigong, Taiji, Eurythmie, Atemübungen, aber auch Sport u.a.), Musik (besonders der eigene Gesang), bildende Kunst (eigene kreative Tätigkeit) und das offene Gespräch untereinander. Psychotherapie in ihren verschiedensten Formen kann auch ein Hilfe sein, wenn sie nicht dogmatisch angewandt wird und aus humanistischem Geist betrieben wird (und nicht zur Selbstdarstellung des Therapeuten). Es spricht eigentlich auch nichts dagegen, Spiritualität in einer Gemeinschaft zu suchen, da sie dann oft als stärker und intensiver empfunden wird. Ein zeitweises sich Zurückziehen in eine Art klösterliches Zusammenleben um sich auf sich zu besinnen, ein besonderes bewusstes Erleben von Gemeinschaft zu praktizieren, kann der Entwicklung eines Menschen durchaus förderlich sein, wenn es nicht als eine Flucht vor der Welt begriffen wird.
Loslassen
Natürlich muss sich auch ein freidenkender Mensch der Frage nach seinem Lebensende stellen und die einfache Behauptung, dass danach nichts mehr kommt, wird weder Trost spenden noch Ängste überwinden helfen, besonders wenn schwere Krankheiten die Ursache für ein vorzeitiges Sterben darstellen. Das offene Gespräch mit Angehörigen und Ärzten, der Mut, sich seiner Situation zu stellen, wozu die palliative Behandlung von Schmerzen, eventuell auch von Depressionen eine Voraussetzung liefern müssen, wird hier einen Weg eröffnen zum Loslassen und der Vorstellung, das der Tod der große Bruder des Schlafes ist. Der altgriechische Philosoph Epikur (371-270 v. Z.) meinte zu diesem Thema: „So ist also der Tod, das schrecklichste der Übel, für uns ein Nichts: Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. (Epikur, Philosophie der Freude) Mit den oben genannten Methoden und Denkweisen können wir uns zu reifen Menschen mit mehr innerer Kraft und Selbständigkeit entwickeln und unseren Zugang zu einer selbstgestalteten Spiritualität finden. Wir werden aber nie perfekt sein und müssen das akzeptieren, genauso wie wir die chaotische und manchmal grausame Welt, in der wir leben, akzeptieren müssen. Aber wenn wir an unserem Todestag das Bewusstsein haben, dass wir ein reiches, intensives Leben gelebt haben, können wir uns getrost fallen lassen in ein Nichts, das weder Schmerz noch Leid kennt.
Zitate
Erich Fromm: „Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden.“ Fromm, E.: Zen-Buddismus und Psychoanalyse, Frankfurt 1971 Worte Buddhas: „Glauben Sie an nichts, nur weil Sie es gehört haben. Glauben Sie nicht einfach an Traditionen, weil sie von Generationen akzeptiert wurden. Glauben Sie an nichts, nur auf Grund der Verbreitung durch Gerüchte. Glauben Sie nie etwas, nur weil es in Heiligen Schriften steht. Glauben Sie an nichts, nur wegen der Autorität der Lehrer oder älterer Menschen. Aber wenn Sie selber erkennen, dass etwas heilsam ist und dass es dem Einzelnen und Allen zu Gute kommt und förderlich ist, dann mögen Sie es annehmen und stets danach leben.“ (Kālāma Sutta Anguttara-Nikaya III, 65) Epikur: „Lebenskunst besteht in der Vermeidung und Überwindung von Angst (besonders vor dem Tod), Schmerz und Begierden.“
Quellen
André Comte-Sponville: Woran glaubt ein Atheist, Zürich 2008 Erich Fromm: Haben und Sein, München 2011 Die Kunst des Liebens, München, 1995 Jiddu Krishnamurti, Einbruch in die Freiheit, München 2004 Lest auch meinen Blog zum Thema Religion.