Samstag, 20. Dezember 2014

Kalte Zeit

Der Regen peitscht, vermischt mit Schnee
ich trinke drinnen meinen Tee.
Ich bleibe drin und will nicht raus,
dies Wetter ist mir echt ein Graus.
Auch bläst der Wind mit aller Kraft,
ich hoff', das bleibt nicht dauerhaft.
Das Leben ist nicht selten so,
ist es mal anders, bin ich froh.
Eilig hastet jeder vorbei,
wie es mir geht ist einerlei.
Doch will nicht fischen im Trüben,
mich lieber der Muße hingeb'n.

Herbst, kleines Aquarell 1981

Copyright für Text und Bild Ludger Gausepohl

Montag, 24. November 2014

Pride - Ein Loblied auf Solidarität und Überwindung von Vorurteilen

Am Samstagabend war ich mal wieder im Kino und sah ich im Xenon: Pride.
Der Film erzählt von jungen (und nicht mehr ganz so jungen) Schwulen,
die den Bergarbeiterstreik unterstützen wollen, Geld sammeln und dann erst daran denken,
wohin das Geld gehen soll. Ein willkürlich ausgesuchtes Dorf in Wales trifft die Wahl,
ein aufgeschlossener örtlicher Gewerkschaftsmann nimmt das Geld entgegen und läd die Gruppe ein.
Das verursacht allerdings einige Unruhe in dem kleinen Ort und mancher Konflikt muss überwunden werden,
bevor Dörfler und Schwule ihre Vorurteile voreinander durchbrechen.
Der Film lebt aus dem typischen britischen Humor, aber rührt auch sehr stark an.
Aids spielt leider auch eine Rolle, denn diese Krankheit begann ja damals ihren Siegeszug um die Welt.
Einige sehr starke Figuren sowohl bei den Dorfbewohnern, als auch unter den Schwulen verleihen dem Film seine Lebendigkeit. Der Film, der uns in die Zeit von Maggie Thatcher führt,
zeigt die große Kraft der Solidarität und ich hatte anschließend ein nasses Taschentuch
(nicht wegen der hübschen Boys). Dieser bewegende Film beruht auf einer wahren Geschichte.
Das Thema Bergarbeiter und ihr Streik hat ja schon mehrere gute britische Filme hervorgebracht.

Montag, 10. November 2014

Mein Berlin

Eben traf ich in einem Park
wohl einen Dudelsackspieler!
Trifft man ihn, außer in Schottland,
noch irgendwo, einfach mal so?
Wo läßt auf einem Flughafen
man die Drachen ganz hoch steigen?

Wo war eine Stadt einmal zwei
und das nicht zum ersten Male?
Wo ging eine Teilung vorbei?
Wo kam Verschied'nes zusammen
Und brachte das Chaos Freude?
Wo strömt alle Welt zusammen?

Wo singen russische Sänger
in der U-Bahn ihre Lieder?
Wo nur mischen sich immer zu,
wenn auch nicht immer schön,
Altes und Neues so lebhaft
Und immer wieder ganz anders?

Wo regierte die große Stadt
ein schwuler Bürgermeister?
Wo tanzt man in einer Fabrik
übers ganze Wochenende
Und treffen sich Partyleut'
und fleißige Frühaufsteher?

Aber doch hat diese bunte Stadt
wohl auch ihre dunklen Seiten:
Nicht wenig an Kinderarmut
und einiges Flüchtlingselend,
Gewalt im öffentlichen Raum
und rechter Sumpf ohne Vernunft.

Nun hab ich das Gefühl schon lang,
dass ich, seit ich hier heimisch bin,
den Puls der Welt erahnen kann
und keiner Routine verfall'.
Das Leben und die Menschen hier
sind die Mischung die ich brauche.

Siegessäule, kleines Aquarell,2012
copyright Text und Bild: Ludger Gausepohl 2014

Dienstag, 30. September 2014

Clivia in der Komischen Oper Berlin

Am Sonntag dem 28.10. stand ein Besuch der Komischen Oper auf dem Programm. Dort wurde die Operette „Clivia“ von Nico Dostal gegeben. Die Karten waren ein Geburtstagsgeschenk. Das Stück war leichte, aber höchst unterhaltsame Kost. Die Geschwister Pfister, die drei der Hauptrollen besetzten, waren wieder in Höchstform. Besonders Tobias Bonn, der den Juan Domango spielte, sang ausgezeichnet, aber auch Christoph Marti wurde seiner Rolle als Clivia bestens gerecht, ein wenig Marlene Dietrich mit der Stimme von Zara Leander. Andreja Schneider kam in diesem Stück nicht so ganz zum Zug, verbreitete aber wie immer gute Laune. Das Stück zeichnete sich durch Schwung, Humor und viel Tanzszenen aus. Die schlagerartigen Gesangsstücke wurden durch die Art der Aufführung etwas ironisiert, wie auch die klischeehafte Darstellung des lateinamerikanischen Fantasielandes Boliguay durch Übertreibung ins Komische gezogen wird. Nach der Aufführung gab es „standing ovations“ und zu recht. Wir gingen mit einem Lächeln aus dem Opernhaus.

Montag, 15. September 2014

Monsieur Claude und seine vier Töchter

Am vergangenen Wochenende sahen wir uns „Monsieur Claude und seine vier Töchter“ an. Ein gutsituiertes, brav katholisches französisches Ehepaar hat vier Töchter. Davon sind bereits drei verheiratet, eine mit einem Juden, die zweite mit einem Marokkaner und die dritte mit einem Chinesen. Es gibt jede Menge Reibereien zwischen den Schwiegersöhnen und die Eltern fühlen sich bereits stark überfordert mit ihrer bunten Familie, als die jüngste Tochter auch heiraten will. Ihr Liebster ist immerhin katholisch, was Mama sehr freut, aber zu aller Schrecken ist er schwarz. Eine Folge von verrückten Begegnungen zwischen den Familien der beiden Verlobten droht die Beziehung der beiden zu zerbrechen. Ohne Rücksicht auf „political correctness“ macht der Film deutlich, dass überall Vorurteile lauern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind und das einander Kennenlernen, das beste Mittel dagegen ist. Natürlich sind die Figuren teilweise etwas holzschnittartig, aber doch sehr menschlich dargestellt. Der Film von Philippe de Chauveron mit einem glänzenden Christian Clavier als Vater mit seiner Mischung aus Gefühl und Komik ohne Klamauk hat mich sehr angerührt und ich habe Tränen gelacht.

Donnerstag, 4. September 2014

Mit Kunst und Händel gegen Trauer und Angst

Nun habe ich also schon meinen zweiten Pleschinski durch. Nachdem ich mit Genuss die „Königsallee“ gelesen hatte, war ich neugierig auf mehr von diesem Autor und blieb bei „Bildnis eines Unsichtbaren" hängen.
Das Buch spannt einen großen Bogen von den siebziger Jahren bis kurz nach der Wende. Der autobiografische Roman beschreibt die Entwicklung einer dreiundzwanzigjährigen Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler, bei dem es sich zweifelsohne um H.P. handelt und dem Galeristen Volker K. Neben dem Leben der beiden zwischen Alltäglichkeit und Kunst, Schriftstellerei, Theater und anderen Erscheinungen der Kultur unserer Zeit spielt Aids eine immer wieder aufflackernde und zusehends schmerzlichere Rolle. Trotz aller dunkel dräuenden und Angst machenden Unbill ist das Buch geprägt durch seine feine Ironie und die Darstellung von, wenn auch immer wieder gebrochener, Lebensfreude. Pleschinski setzt seinem verstorbenen Freund ein Denkmal ohne ihn auf einen hohen Sockel zu stellen, sondern mit großer Wärme.
Sicher ist der Roman eher etwas für den gebildeten Leser mit seinen vielen Hinweisen auf Literatur, Kunst, Musik und Theater, aber auch demjenigen der in diesen Gefilden nicht so bewandert ist, bietet die Geschichte um Beziehung, Freundschaft, Liebschaften und Reisen, Krankheit und Furcht vor dem Tod in ihrer anregenden, sicher intellektuellen, aber nicht abgehobenen Sprache vieles.

Bildnis eines Unsichtbaren, Hans Pleschinski, dtv 2004

Dienstag, 5. August 2014

Thomas Mann und die "Königsallee"


Soeben habe ich ein recht umfängliches Buch zu Ende gelesen: Hans Pleschinskis „Königsallee“ erschienen bei C.H.Beck.
Ich war sehr angetan von diesem Werk, auch wenn es in Stil und Schreibweise sehr an Thomas Mann erinnert. Das kommt aber nicht von ungefähr, denn selbiger spielt in diesem Buch eine Hauptrolle.
Ein gewisser Klaus Heuser kommt per Zufall zur gleichen Zeit im gleichen Hotel in Düsseldorfs Königsallee an wie der Nobelpreisträger. Heuser war in jungen Jahren ein Schwarm des Dichterfürsten und wohl noch immer in dessen Fantasie. Pleschinski spinnt hier eine Geschichte auf der Grundlage wirklich abgelaufener Ereignisse und läßt eine Begegnung der beiden und zuvor die Entwicklung dorthin stattfinden, die es so aber nie gab. Dabei treten neben Mann und seiner Frau Katja, noch Erika und Golo Mann, so wie Thomas Manns früherer Freund Ernst Bertam auf, welcher aber später die Bücherverbrennungen der Nazis bejubelte und nun um Verzeihung nachsucht. Ein ehemaliger Nazigeneral komplettiert den Reigen der Figuren des Romans, der aber dem Künstler weichen muss, da der Hoteldirektor um den Ruf seines Hotels und Düsseldorfs fürchtet.
Die Zeit Anfang der fünziger Jahre wird sehr treffend abgebildet. Die Nähe der schlimmen Kriegsjahre und der Nazizeit sind zu erahnen, ebenso wie der Aufbruch ins Wirtschaftswunder. Die künstliche Sprache macht das Lesen vielleicht erst anstrengend, aber regt auch an in ihrer kunstvollen Gestaltung. Immerhin ist Pleschinski nicht ganz so ausschweifend, wie es mich manchmal bei Mann gestört hat. Ganz herrlich ist die Darstellung Heusers in seiner Beziehung zu seinem indonesischen Lebensgefährten Anwar. Alles wird so selbstverständlich und humorig beschrieben, wie man es sonst über alte Ehepaare liest. Zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, sicher nicht selbstverständlich. Überhaupt durchzieht eine satirische Note die ganze Geschichte und man legt das Buch mit einem Lächeln fort.
Von Anspielungen auf ein Buch Thomas Manns „Lotte in Weimar“ und dass Klaus Heuser als Vorbild diente in Manns Josef-Triologie, sowie bei Felix Krull (bei Pleschinski taucht auch noch ein Hotelboy namens Armand auf) war mir beim Lesen nicht bewusst, biss es erwähnt wurde, aber mir schien dieses Wissen auch nicht erforderlich um den Roman genießen zu können, aber könnte einen Anreiz bieten, das Buch nochmals zu Hand zu nehmen.

Montag, 7. Juli 2014

Reiselust

Die Koffer sind schon gepackt,
was mag uns wohl erwarten?
Wir reisen in ferne Lande
und hoffen auf Erlebnisse:
auf Spannendes,
auf Erregendes,
auf Ungewöhnliches.
Wem werden wir begegnen,
was hat er uns zu sagen?
Viel Schönes,
manch Trauriges,
viel Hässliches
wird wohl unsere Wege kreuzen.
Sollten wir nicht mit der gleichen Lust,
die Reise unseres Lebens machen?

Felseninsel, Kleines Aquarell

Copyright Bild und Text: Ludger Gausepohl

Montag, 16. Juni 2014

Illusion

Rose in dampfender Schale, kleines Aquarell, 1987

Das Leben mit all den Verwicklungen,
mit Tod, Unglück, Verlust, Elend und Not,
will gar nicht uns'ren Wünschen entsprechen.
Damit's uns dennoch schöner erscheine,
erdachte jemand einst die Illusion.
Wir lieben und pflegen sie gar eifrig,
aber sie bleibe möglichst unsichtbar.
Aufregend, voller Überraschungen,
voll Liebe und Erfolgen soll sie sein,
wir seh'n die Welt, so wie sie uns gefällt.
Was hinter dem schönen Schein sich verbirgt,
halten wir gern vor uns selbst verborgen.
Dass die Freiheit oft nur ein Trugbild,
Toleranz nur versteckte Verachtung,
die Werbung voller Manipulation,
wir wissen's, doch ignorieren es gern.
Doch wie wäre das Leben ohne sie?
Wär es nicht schwerer, gar unerträglich?
Lässt sie nicht blühen uns're Fantasie,
und mit ihr gar alle Kunst und Kultur?
Das rechte Maß wäre noch zu finden,
aber ebenso die Bereitschaft zur Wahrheit
und auch der Blick hinter die Illusion!

Copyright Text und Bild: Ludger Gausepohl 2014

Donnerstag, 17. April 2014

Ein Besuch der Ai Weiwei Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin

Ai Weiwei:Very Yao, im Martin-Gropius-Bau, Berlin

Seit dem 4. April ist im Berliner Gropius-Bau die Ausstellung 'Evidence' des bekannten chinesischen Künstlers Ai Weiwei zu sehen.
Da meine Schwester dieser Tage zu Besuch war, entschloss ich mich, mit ihr diese Kunstschau zu besuchen. Zunächst einmal waren wir besorgt, dass die Ausstellung völlig überlaufen wäre, da sie in allen Medien reichlich besprochen und beworben wurde. Durch eine Online-Buchung hofften wir zumindest die Wartezeit auf den Eintritt zu verkürzen. Ich war etwas skeptisch, was wir zu sehen bekommen würden, auch wenn ich im Fernsehen schon das Eine oder Andere gesehen hatte. Moderne Kunst erscheint mir oft etwas willkürlich in ihrem Anspruch und recht profan. Aber nachdem wir ohne Wartezeit das Museum betreten konnten, war mir sehr schnell klar, dass dies eine an Eindrücken reiche Werkschau sein würde.
Betritt man die Eingangshalle dann hängt im Lichtschacht eine Installation aus zahlreichen silbrigen Fahrrädern, wie ich gelesen habe 760 gleiche Exemplare, die auf eines der wichtigsten Transportmittel Chinas hinweist. Allerdings kann man in einigen Videos in der Ausstellung, die Straßenszenen in China zeigen erkennen, das das Fahrrad seine Bedeutung immer mehr verliert und langsam zunehmend durch Motorräder und Autos abgelöst wird. Gelangt man dann nach der Eintrittskartenkontrolle in den großen Lichthof, dann wird man mit einer Ansammlung von zahllosen alten Hockern konfrontiert. Sie wurden von in die großen Städte abgewanderten Bauern zurückgelassen und sollen in diesem beeindruckenden und sehr ästhetischen Arrangement auf den Untergang einer alten bäuerlichen Kultur hinweisen. In den weiteren Ausstellungsräumen finden sich dann eine Anzahl von Objekten und Arrangements, die ich nicht alle im Einzelnen beschreiben möchte. Ein sicher zentrales Objekt ist die Nachbildung der Zelle des Künstlers, in die er wegen angeblicher Steuerhinterziehung eingesperrt wurde und wo er 81 Tage lang in Einzelhaft saß. Für chinesische Verhältnisse ist sie vermutlich recht geräumig, aber dafür war der Künstler unter ständiger Überwachung und alles ist abgepolstert, damit er sich keinesfalls selbst verletzen konnte. Wäre er wirklich ein normaler Steuersünder gewesen, hätte Ai Weiwei sicher in einer ganz normalen Zelle mit anderen Häftlingen gesessen und nicht so eine Sonderbehandlung erhalten. Handschellen mit denen er gefesselt wurde bildete er aus Jade nach. Auch andere Gegenstände wie eine Gasmaske oder Eisenarmierungen aus dem Beton einer bei Erdbeben zerstörten Schule bildete der Künstler aus Marmor nach. Aus dem gleichen Material, das auch für die kaiserliche „Verbotene Stadt“ und das Mao-Mausoleum verwandt wurde, stellte er auch ein Geo-Modell der Diao-Yu-Inseln her, die zwischen China und Japan umstritten sind. Einen einfachen Container für den Transport von Hausrat oder ähnlichem fertigte er aus einem edlen traditionellen Holz, aus dem früher gerne feine Möbel hergestellt wurden. Trotz der Modernität seiner Kunstwerke stellt er gerne Verbindung mit chinesischen Traditionen und klassischer Kunst her. Die Ausstellung war für mich eine gelungene Verbindung von Provokation und Ästhetik dar. Dabei ist die Provokation nicht platt, sondern musst sich der chinesischen Zensur stellen und nutzt eine subtile Sprache. Bei einem der Exponate handelt es sich um eine Ansammlung von Meereskrebsen in rot und grün. Das chinesische Wort für Meereskrebs ähnelt dem Wort für Harmonie, mit dem die Kommunistische Partei Chinas ihre Unterdrückung von Meinungsfreiheit begründet. Deren freiheitsfeindliche und willkürliche Einstellung wird am Beispiel der Zerstörung eines Ateliers des Künstlers in Shanghai deutlich. Ein Video und die Trümmer des Gebäudes, um ein altes chinesisches Bett aufgeschichtet, zeigen, wie groß die Angst der Mächtigen vor diesem Mann sein muss. Für uns war die Ausstellung, die noch bis zum 7. Juli geht, eine äußerst eindrucksvolle Begegnung mit dem Werk Ai Weiweis und dem modernen China und ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen.
Dieses Rad wartet auf Ai Weiwei, falls er doch seine Ausstellung endlich besuchen darf.

Copyright für Bilder und Text: Ludger Gausepohl

Donnerstag, 9. Januar 2014

Frohes Neues Jahr

Ein neues Jahr ist eingetroffen
Und vieles von ihm wir erhoffen.
Aus uns'rer Erfahrung wissen wir,
Nicht immer Gutes steht vor der Tür,
Doch Hoffnung hält uns in Trab,
Trotz vieler Umstände Auf und Ab.
Wenn auf andere zu wir gehen,
Nicht nur die Schattenseiten sehen,
Tun unser Bestes mit frohem Mut,
Dann stehen fürs Jahr die Chancen gut.

Der Weg ins Unbekannte, Wachsmalkreide auf Papier,
Copyright Bild und Text Ludger Gausepohl