Montag, 16. Juni 2014

Illusion

Rose in dampfender Schale, kleines Aquarell, 1987

Das Leben mit all den Verwicklungen,
mit Tod, Unglück, Verlust, Elend und Not,
will gar nicht uns'ren Wünschen entsprechen.
Damit's uns dennoch schöner erscheine,
erdachte jemand einst die Illusion.
Wir lieben und pflegen sie gar eifrig,
aber sie bleibe möglichst unsichtbar.
Aufregend, voller Überraschungen,
voll Liebe und Erfolgen soll sie sein,
wir seh'n die Welt, so wie sie uns gefällt.
Was hinter dem schönen Schein sich verbirgt,
halten wir gern vor uns selbst verborgen.
Dass die Freiheit oft nur ein Trugbild,
Toleranz nur versteckte Verachtung,
die Werbung voller Manipulation,
wir wissen's, doch ignorieren es gern.
Doch wie wäre das Leben ohne sie?
Wär es nicht schwerer, gar unerträglich?
Lässt sie nicht blühen uns're Fantasie,
und mit ihr gar alle Kunst und Kultur?
Das rechte Maß wäre noch zu finden,
aber ebenso die Bereitschaft zur Wahrheit
und auch der Blick hinter die Illusion!

Copyright Text und Bild: Ludger Gausepohl 2014

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