Dienstag, 30. September 2014

Clivia in der Komischen Oper Berlin

Am Sonntag dem 28.10. stand ein Besuch der Komischen Oper auf dem Programm. Dort wurde die Operette „Clivia“ von Nico Dostal gegeben. Die Karten waren ein Geburtstagsgeschenk. Das Stück war leichte, aber höchst unterhaltsame Kost. Die Geschwister Pfister, die drei der Hauptrollen besetzten, waren wieder in Höchstform. Besonders Tobias Bonn, der den Juan Domango spielte, sang ausgezeichnet, aber auch Christoph Marti wurde seiner Rolle als Clivia bestens gerecht, ein wenig Marlene Dietrich mit der Stimme von Zara Leander. Andreja Schneider kam in diesem Stück nicht so ganz zum Zug, verbreitete aber wie immer gute Laune. Das Stück zeichnete sich durch Schwung, Humor und viel Tanzszenen aus. Die schlagerartigen Gesangsstücke wurden durch die Art der Aufführung etwas ironisiert, wie auch die klischeehafte Darstellung des lateinamerikanischen Fantasielandes Boliguay durch Übertreibung ins Komische gezogen wird. Nach der Aufführung gab es „standing ovations“ und zu recht. Wir gingen mit einem Lächeln aus dem Opernhaus.

Montag, 15. September 2014

Monsieur Claude und seine vier Töchter

Am vergangenen Wochenende sahen wir uns „Monsieur Claude und seine vier Töchter“ an. Ein gutsituiertes, brav katholisches französisches Ehepaar hat vier Töchter. Davon sind bereits drei verheiratet, eine mit einem Juden, die zweite mit einem Marokkaner und die dritte mit einem Chinesen. Es gibt jede Menge Reibereien zwischen den Schwiegersöhnen und die Eltern fühlen sich bereits stark überfordert mit ihrer bunten Familie, als die jüngste Tochter auch heiraten will. Ihr Liebster ist immerhin katholisch, was Mama sehr freut, aber zu aller Schrecken ist er schwarz. Eine Folge von verrückten Begegnungen zwischen den Familien der beiden Verlobten droht die Beziehung der beiden zu zerbrechen. Ohne Rücksicht auf „political correctness“ macht der Film deutlich, dass überall Vorurteile lauern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind und das einander Kennenlernen, das beste Mittel dagegen ist. Natürlich sind die Figuren teilweise etwas holzschnittartig, aber doch sehr menschlich dargestellt. Der Film von Philippe de Chauveron mit einem glänzenden Christian Clavier als Vater mit seiner Mischung aus Gefühl und Komik ohne Klamauk hat mich sehr angerührt und ich habe Tränen gelacht.

Donnerstag, 4. September 2014

Mit Kunst und Händel gegen Trauer und Angst

Nun habe ich also schon meinen zweiten Pleschinski durch. Nachdem ich mit Genuss die „Königsallee“ gelesen hatte, war ich neugierig auf mehr von diesem Autor und blieb bei „Bildnis eines Unsichtbaren" hängen.
Das Buch spannt einen großen Bogen von den siebziger Jahren bis kurz nach der Wende. Der autobiografische Roman beschreibt die Entwicklung einer dreiundzwanzigjährigen Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler, bei dem es sich zweifelsohne um H.P. handelt und dem Galeristen Volker K. Neben dem Leben der beiden zwischen Alltäglichkeit und Kunst, Schriftstellerei, Theater und anderen Erscheinungen der Kultur unserer Zeit spielt Aids eine immer wieder aufflackernde und zusehends schmerzlichere Rolle. Trotz aller dunkel dräuenden und Angst machenden Unbill ist das Buch geprägt durch seine feine Ironie und die Darstellung von, wenn auch immer wieder gebrochener, Lebensfreude. Pleschinski setzt seinem verstorbenen Freund ein Denkmal ohne ihn auf einen hohen Sockel zu stellen, sondern mit großer Wärme.
Sicher ist der Roman eher etwas für den gebildeten Leser mit seinen vielen Hinweisen auf Literatur, Kunst, Musik und Theater, aber auch demjenigen der in diesen Gefilden nicht so bewandert ist, bietet die Geschichte um Beziehung, Freundschaft, Liebschaften und Reisen, Krankheit und Furcht vor dem Tod in ihrer anregenden, sicher intellektuellen, aber nicht abgehobenen Sprache vieles.

Bildnis eines Unsichtbaren, Hans Pleschinski, dtv 2004