Donnerstag, 4. September 2014

Mit Kunst und Händel gegen Trauer und Angst

Nun habe ich also schon meinen zweiten Pleschinski durch. Nachdem ich mit Genuss die „Königsallee“ gelesen hatte, war ich neugierig auf mehr von diesem Autor und blieb bei „Bildnis eines Unsichtbaren" hängen.
Das Buch spannt einen großen Bogen von den siebziger Jahren bis kurz nach der Wende. Der autobiografische Roman beschreibt die Entwicklung einer dreiundzwanzigjährigen Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler, bei dem es sich zweifelsohne um H.P. handelt und dem Galeristen Volker K. Neben dem Leben der beiden zwischen Alltäglichkeit und Kunst, Schriftstellerei, Theater und anderen Erscheinungen der Kultur unserer Zeit spielt Aids eine immer wieder aufflackernde und zusehends schmerzlichere Rolle. Trotz aller dunkel dräuenden und Angst machenden Unbill ist das Buch geprägt durch seine feine Ironie und die Darstellung von, wenn auch immer wieder gebrochener, Lebensfreude. Pleschinski setzt seinem verstorbenen Freund ein Denkmal ohne ihn auf einen hohen Sockel zu stellen, sondern mit großer Wärme.
Sicher ist der Roman eher etwas für den gebildeten Leser mit seinen vielen Hinweisen auf Literatur, Kunst, Musik und Theater, aber auch demjenigen der in diesen Gefilden nicht so bewandert ist, bietet die Geschichte um Beziehung, Freundschaft, Liebschaften und Reisen, Krankheit und Furcht vor dem Tod in ihrer anregenden, sicher intellektuellen, aber nicht abgehobenen Sprache vieles.

Bildnis eines Unsichtbaren, Hans Pleschinski, dtv 2004

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