Dienstag, 27. Oktober 2015

Eines meiner Lieblingsbücher: Nachtzug nach Lissabon

Es ist kein Krimi, kein Thriller, kein Abenteuerroman und doch hat mich dieses Buch sehr fasziniert. Merciers Buch über einen Latein-Lehrer, der durch die Begegnung mit einer lebensmüden jungen Frau auf das Buch eines Portugiesen stößt und durch dieses wiederum motiviert wird, sich in das Abenteuer zu stürzen, in Lissabon etwas über den Autor herauszufinden, enthält viel psychologisches Gespür, philosophische Erkenntnis und die Aufforderung, sich über sein eigenes Sein klar zu werden. Ich hatte das Buch vor Jahren bereits mit großem Interesse gelesen und nach dem ich auch den Film zu dieser Geschichte gesehen hatte, wollte ich sie noch einmal lesen. Sehr schnell war ich wieder völlig gefangen von dem Versuch des Berner Lehrers Gregorius, etwas über einen ihm völlig fremden Portugiesen herauszufinden. Er entdeckt dabei nicht nur vieles über dessen Leben als Arzt, als Mensch und als Widerstandskämpfer gegen das Salazar-Regime, sondern auch vieles über sich selbst. Besonders beeindruckend fand ich die Rede des jungen Amadeu Prado bei der Abiturfeier seiner Schule, die den Titel trägt: Ehrfurcht und Abscheu vor Gottes Wort. Sie beginnt mit den Worten: Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt. ...Ich brauche ihren Glanz. Ich brauche ihn gegen die schmutzigen Einheitsfarbe der Uniformen. Ich will den rauschenden Klang der Orgel hören, diese Überschwemmung von irdischen Tönen. Ich brauche ihn gegen die schrille Lächerlichkeit der Marschmusik. … Doch es gibt auch die andere Welt, in der ich nicht leben will: die Welt, in der man den Körper und das selbstständige Denken verteufelt und Dinge als Sünde brandmarkt, die zum besten gehören, was wir erleben können. Hier geht es um die Verteidigung des Schönen und Feierlichen gegen Intoleranz, Dogmatismus und Diktatur. Das Buch hinterließ mich nachdenklich und bereichert, weit mehr als ich mir davon erwartet hatte. Der Film verkürzt und verändert die Geschichte etwas, aber schafft es doch, seine Grundgedanken wiederzugeben.

Nachtzug nach Lissabon, Pascal Mercier, btb 2006

Montag, 7. September 2015

Flüchtlinge


Aus der Ferne kommt ihr her zu uns,
von Krieg und Not seid ihr geflohen,
wandertet durch heißen Wüstensand,
kamt übers tosende Meer gefahr'n,
durchlebtet eine Hölle von Angst.
Ihr hofft auf ein Leben in Frieden,
was erwartet euch in fremdem Land?
Viele sehen euch lieber gehen,
fürchten sich vor eurer großen Zahl.
Aber wo sollt ihr denn hingehen,
Besser am Stacheldraht verbluten?
Uns're Menschlichkeit ist hier gefragt,
wie ginge's uns in eurer Lage?
Daran sollten wir alle denken.
Geht es bei uns auch nicht allen gut,
kaum ein Land ist so reich wie wir.
Hass bringt neues Leid, keine Lösung!

Wohin?
Text und Bild, Copyright by Ludger Gausepohl

Donnerstag, 30. Juli 2015

Ballett for Life in der Deutschen Oper

Die zunehmende Zahl der Jahre ist in meinem Alter nicht unbedingt Anlass zur Freude, wohl aber, zumindest manchmal, die Geschenke die einem anläßlich eines Geburtstages verehrt werden. So bekam ich in diesem Jahr von meinem lieben Gatten einen Ballettbesuch in der Deutschen Oper geschenkt. Ich wusste, dass es sich um eine Choreografie von Maurice Béjart handelte und war dementsprechend gespannt. Das Haus war offensichtlich ausverkauft (es war ein Tag nach der Premiere) und wir kamen leider etwas zu spät, sodass wir unsere Plätze im Dunkeln suchen mussten. Zum Glück waren in der vierten Reihe noch vier Plätze am Rande frei, so dass die Sicht nicht ganz perfekt aber ausreichend gut war. Dann begann sogleich die Aufführung. Mir vertraute Musik ertönte, nämlich Klänge der von mir verehrten Band Queen. Es begann eine Abfolge herrlich getanzter Szenen, die an Vielfalt, Einfallsreichtum und Klarheit nichts zu wünschen übrig ließen. Die Musik von Queen und die Stimme von Freddie Mercury dominierten das Geschehen, gelegentlich unterbrochen von mozartschen Klängen. Herausragend fand ich eine Szene zur Musik von „Radio Gaga“. Dort tanzten vermutlich sämtliche männlichen Mitglieder des Ensembles, einer nach dem anderen, in einen kleinen, ganz in weiß gehaltenen Raum hinein, sodass man am Ende glaubte, nun geht keiner mehr herein. Aber alle blieben in Bewegung und auch der nächste fand noch seinen Platz. Dann kam ein blonder Tänzer heran, warf einen Blick hinein und rauschte elegant daran vorbei. Ähnliche Elemente der Selbstironie waren zahlreich in dem Stück. Mittels einer Videoprojektion tanzte Meister Béjart auch in der Aufführung mit, als ein leidender, aber dennoch lachender Clown. Neben der gelungenen Choreographie und dem hervorragenden Tanz des ganzen Ensembles stach auch noch die schlichte und doch wirkungsvolle Kleidung heraus, die von dem Designer Versace stammt. Natürlich reizte mich zusätzlich die reichlich gebotene männliche Schönheit des Balletts und ich war mit der Begeisterung des Publikums am Ende völlig eins, die die Aufführung mit „Standing Ovations“ feierte. Dank für den schönen Abend an meinen Mann und das Béjart Ballet Lausanne.

Ballet for Life – Béjart Ballet Lausanne © Francette Levieux
© Text: Ludger Gausepohl

Mittwoch, 15. Juli 2015

Bücher machen ist nicht leicht

Es ist lange her, dass ich mich hier an meine Leser gewandt habe. Grund dafür war unter Anderem, dass ich ein Buch aus dem Niederländischen mit gut 600 Seiten übersetzt und publiziert habe. Damit hatte ich bereits Ende letzten Jahres begonnen und im Mai war die Hauptarbeit dann erledigt. Es handelt sich um eine Erzählung des Holländers Bernardus Gewin, die dieser 1841 herausgebracht hatte. Ich kam ganz zufällig an dieses Werk. Auf der Suche nach preiswerter niederländischer Literatur, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, durchstöberte ich verschiedene Verzeichnisse und fand auch das eine oder andere. Da es möglichst kostenlos sein sollte, waren dies aber überwiegend Schriften aus dem vorletzten Jahrhundert. „De Reisontmoetingen van Joachim Polsbroekerwould en zijne Vrienden“ („Die Reiseabenteuer des Joachim Polsbroekerwould und seiner Freunde“) gefielen mir von allen Texten am Besten und da auf dem Buch keine Rechte lagen, erschien es mir reizvoll, es zu übersetzen und ein Buch für deutsche Leser daraus zu machen. Allerdings hatte ich mir nicht klar gemacht, wie viel Arbeit darin steckte. Aber ich biss mich durch und konnte das Werk zu meiner Zufriedenheit vollenden. Am Ende wurde mir erst richtig bewusst, wieviel Text ich da bearbeitet hatte (denn bearbeiten musste ich den übersetzten Text auch noch gründlich, da ellenlange Sätze und eine umständliche Sprache es dem modernen Leser nicht gerade leicht machten). Ich ließ die Erzählung, wie ich es bei all meinen Büchern tue, von Geschwistern und Freunden gegenlesen, um die Fehlerzahl klein zu halten und gab es dann als E-Buch heraus. Danach wagte ich mich auch daran, es als gedrucktes Buch herauszugeben, besser gesagt als Taschenbuch auf Anfrage (Book on demand). Da ich ein sogenannter Selbstpublizierer (selfpublisher) bin, muss ich vieles, was sonst ein Verlag macht, selbst erledigen und vermutlich erreiche ich wohl auch nur sehr wenige Leser. Aber da ich ohnehin nicht auf den Nobelpreis und den Erfolg von „Harry Potter“ hoffe, macht mir das nicht so viel. Mit dem Niederländisch aufbessern ist aber auch nicht ganz so weit her, da die altertümliche Sprache selbst von einem modernen Niederländer teilweise nur mit Mühe verstanden wird.
In der Erzählung geht es um eine Reisegesellschaft von fünf jungen Niederländern, die mit Dampfschiff, Kutsche und manchmal auch zu Fuß von den Niederlanden entlang des Rheins bis in die Schweiz und nach Mailand reisen und wieder zurück. Neben verschiedensten Begegnungen mit interessanten oder merkwürdigen Leuten, erleben sie manches Abenteuer, worunter die Entführung einer jungen Dame, das Glück und später Unglück eines Freundes, Bergbesteigungen und Abstürze, die halbwegs glimpflich ausgehen und vieles mehr. Ich fand es eine amüsante und lehrreiche Geschichte, die Vieles über das Reisen im 19. Jahrhundert und die Denkweise des damaligen Bürgertums zu berichten weiß.
Hier gibt es eine Leseprobe
Nachdem ich dieses Buch herausgebracht hatte beschloss ich, auch meine anderen E-Bücher als Book-On-demand herauszugeben:
Die ungewöhnlichen Untersuchungen des Doktor Yao“ ISBN-9781512266696 mit neun Kurzgeschichten und den Roman
„Die heimliche Liebe der Friedensboten zu Münster“ ISBN-978-1514624340.
Es war einfach ein schönes Gefühl ein eigenes Werk in Händen zu halten, ein Gefühl, dass ein E-Buch nicht zu erzeugen vermag. Da bin ich wohl noch ziemlich altmodisch.

Samstag, 14. Februar 2015

Zum 11. Hochzeitstag

Mein Liebster
Geh'n viele Jahre gemeinsam durchs Leben schon,
soviel Freude, aber auch manche Sorgen
und gelegentlich gab es auch mal Streit.
am Anfang hätte ich dies nicht erwartet,
wenn auch sicherlich heimlich erhofft.
Wohl hast du deine Launen
und kannst ein rechter Drache sein,
mit einem donnernden Temp'rament,
Und doch bist du mein ruhender Pol
Und fester Halt in dieser wilden Welt.
Ach, das wünsche ich wirklich sehr,
dass außer gutem Essen und Gemütlichkeit
ich dir auch manche Freude bereite
und dass mein Herz ein warmer Platz
als auch ein Ruhepol für deine Seele sei.
Du mein Geliebter, mein Freund, mein Mann,
sollst es, ging es nach mir, noch lange sein.
Du schenkst mir Zärtlichkeit und Nähe
Und auch die Freiheit, die ich brauch.
Gehn wir doch weiter diesen Weg!

Freitag, 30. Januar 2015

Verrückte Welt

Ist diese Welt denn verrückt geworden?
Da wird im Namen Allahs gemordet und gebombt,
Da muss der reine Glaube bewahrt werden.
Hat Religion je irgendwelche Probleme gelöst?
Und dort wo Wohlstand herrscht und Frieden,
Da hat man Angst vor Flüchtlingen und Fremden,
Angst vor fremder Kultur, wo man die eigene gar nicht pflegt,
Angst vor Überfremdung, wo man sich selber fremd ist
Und mit der schnellen Veränderung nicht zurecht kommt.
Russland wütet im Nachbarland, das sich dem Einfluss entzieht
und Europa drängt auf schnelle Anpassung für bessere Geschäfte.
Gemeinsam ist die Sehnsucht nach einfachen Lösungen,
nach starken Männern und lauten Parolen.
Gibt es da nicht wirklich wichtigeres in dieser Welt?
Sind wir nicht gerade dabei, unseren Planeten zu ruinieren,
Luft, Erde und Wasser zu verpesten und zu verbrauchen?
Wachstum über alles, ohne Rücksicht auf Verluste?
Unermesslicher Reichtum für wenige, dank massenhafter Armut?
Ist die Menschheit wirklich unfähig zur Vernunft?
Untergang der Amoco Cadiz, Wasserfarben, 1980
Copyright Ludger Gausepohl